Projekt: Lippedeich in Hamm-Herringen
Erneuerung der Deichfußdrainage von km 62,8 bis km 63,4
Im
Auftrag der EMSCHERGENOSSENSCHAFT und des LIPPEVERBANDS
als Körperschaften des öffentlichen Rechts begannen die Tiefbauer der
Firma Kanal- und Rohrtechnik GmbH bereits im Februar 2006 mit der
Erneuerung
der Deichfußdrainage des Lippedeiches als Subunternehmer für die
Ausführung des Berstlining- Verfahrens. Bis April 2007 wurden
insgesamt mehr als 2.000 Meter Polyethylen- und Polyprophylenrohre in
den Dimensionen da 340 – da 560 größtenteils in der geschlossenen
Bauweise eingebracht. Da die gesamte Baustelle im Böschungsbereich
liegt, waren Spezialfachkräfte bei der Planung und Ausführung gefragt.

Bild1: Querprofil des Lippedeiches bei
km 63,0
Einsatzbereich
waren die Deiche zwischen Lippe, dem Lippe-Altarm und dem parallel zur
Lippe liegenden Lippekanal. Diese wurden zum Schutz vor dem wiederholt
auftretenden Hochwasser und der Kanal zur damaligen Erschließung des
Kohletagebaus angelegt. Zusätzlich zum Hochwasserschutz gehört
ebenfalls eine gut funktionierende und ausreichende Deichentwässerung.
Die dazu noch vor dem zweiten Weltkrieg eingebaute Drainageleitung aus
Porosit, einem porösen, wasserdurchlässigen Betonrohrmaterial für
Drainagezwecke in einem Durchmesser zwischen 200 und 400 mm, wies
stellenweise Einbrüche aber auch starke Inkrustationen und
Auswaschungen auf und sollte durch ein modernes Rohrleitungsmaterial
möglichst zeitnah ausgewechselt werden, um ein weiteres Einstürzen des
maroden Altkanals zu verhindern. Die Entscheidung fiel auf
Kunststoffrohre aus Polyethylen und Polypropylen, die eine sehr hohe
Lebensdauer und baustellengerechte Verarbeitungsmöglichkeiten bieten.
Die von den Herstellern standardgemäß als Stangenware angebotenen
Rohre wurden werkseitig mit den für die Drainagefunktion notwendigen
Bohrungen versehen und sollten je nach Haltungsbedingungen einerseits
als zwei Meter lange Kurzrohrmodule, andererseits als bauseitig
verschweißte Langrohrstränge eingebaut werden. (Bild2)

Bild2: Einbau eines
Langrohrstrangs
Bild3: Erstellung der 11 Meter tiefen Baugruben
Die neue
Rohrleitung konnte wegen der extremen Lagetiefe von bis zu 11 Metern
unter der Geländeoberkante in der geschlossenen Bauweise wesentlich
wirtschaftlicher eingebaut werden. Ein besonderes Augenmerk fiel auf
die Anwendbarkeit des Berstlining- Verfahrens, um eine gleichzeitige
Vergrößerung der teilweise im Querschnitt bis zu 100 mm kleineren
Drainageleitung zu ermöglichen.
Durch den Einsatz
verschiedener Techniken der Berstlining- Prozeduren (Kurz- und
Langrohrberstlining) konnten hier Einsparungen bei der Herstellung der
Maschinengruben, der Widerlager und bei der Schachtwiederherstellung
bewerkstelligt werden. Denn gerade in hohen Lagetiefen und im
Böschungsbereich der stark durchwässerten Deiche müssen hohe
Aufwendungen für den sicheren Verbau der Gruben erbracht werden.
In
diesem Fall wurden die 11 Meter langen Spundwände für die Gruben durch
die Firma FST Spezialtiefbau Finsterwalde eingerüttelt und mit
doppelter Gurtung aus zwei übereinander verschweißten Stahlträgern
gesichert. Eine andere, zuvor beauftragte Tiefbaufirma konnte den
besonders schwierigen Verhältnissen sowohl technisch nicht gerecht
werden und meldete noch während der Baumaßnahme auch wirtschaftliche
Insolvenz an. Die Firma KURT Kanal- und Rohrtechnik GmbH, die nun den
Zuschlag für die Weiterführung der gesamten Baumaßnahme erhielt,
musste einen Großteil der bereits angelegten Gruben in Kooperation mit
der FST Finsterwalde komplett neu erstellen. (Bild3)

Bild4: Die Bersthülse erreicht die Maschinengrube
Bild5: Neuerstellung der Schachtbauwerke
Von
großer Wichtigkeit war während der gesamten Bauzeit die behelfsweise
Ableitung der Regenwassermassen und des über die Lippe durchsickernden
Flusswassers, da sonst die Gefahr des Abrutschens aufschwemmender
Deiche und damit das Brechen des Dammes drohte. Auch dies hatte die
vorher beauftragte Tiefbaufirma bei ihrer Ausführung außer Acht
gelassen, so dass dringender Handlungsbedarf bestand. An diesem
Beispiel wird deutlich, dass Sanierungsmaßnahmen eines solchen
Umfanges in die Hände von erfahrenen Tiefbauern gehören, die eng mit
den Planungsingenieuren und Maschinenherstellern zusammenarbeiten. Nur
mit unter-nehmensübergreifender Zusammenarbeit lassen sich innovative
Technologien wirtschaftlich UND sicher anwenden.

Interessant war
die Sanierung zwischen den Schächten S4B und S6 (Skizze; Bild4). In
diesem Abschnitt kamen die modernen Berstlining- Maschinen der Firma
RBS Spezialmaschinen GmbH (Attendorn) zum Einsatz, denn es wurde
zwischen dem Ein- und Auslaufwinkel am Schacht S4 und auch an den
weitergehenden Leitungen eine Abweichung von bis zu 18° festgestellt.
Bei solchen starken Abwinkelungen in den Trassenverläufen ist eine
grabenlose Rohrsanierung mit starren, geradlinigen Berstsystemen bis
vor kurzem nicht möglich gewesen, da sich die erforderlichen Berst-
und Einziehkräfte erst durch die kürzlich entwickelten Klemmsysteme
mit speziellen Zugseilen und ketten auf den Berstkonus übertragen und
zum Berstvorgang nutzen lassen. So konnte die Erstellung der vorerst
geplanten Maschinengrube am Schacht S4 umgangen werden, weil das
flexible Zugseil über eine Umlenkvorrichtung im Schacht die
erforderlichen Zugkräfte quasi „um die Kurve“ leitet.
Während der
gesamten Baumaßnahme lag die Herausforderung auch im Transport der
Baustoffe und Arbeitsmittel zu deren Einsatzstellen, denn die
Böschungslage ließ nur einen beschränkten LKW-Verkehr bestenfalls auf
den Bermen des Deiches zu.
Bild4: Skizze angewendete Verfahren:
Die
Abweichung der Ein- und Auslaufwinkel der Altleitung
betrugen bis zu 18°
Bauleitung
Dipl. Ing. (FH) René Niespor / Falk Rohtert