Von Karin Klemm und Wolfgang Rink
1 Einleitung
Der Zweckverband Fernwasser Südsachsen versorgt
über die regionalen Versorgungsunternehmen ca. 1,3 Millionen
Einwohner des Regierungsbezirkes Chemnitz mit Trinkwasser.
Er entnimmt aus zwölf Talsperren mit einem Gesamtstauvolumen von 125
Mio. m³ Rohwasser für neun Wasserwerke. In diesen Wasserwerken
wurden im Jahre 2006 ca. 53 Mio. m³ Wasser aufbereitet und über ein
weit reichendes Verbundnetz von rund 500 km Länge an die regionalen
Versorgungsunternehmen abgegeben. Nordwestlich von Chemnitz, in der
Nähe der Burg Rabenstein und des gleichnamigen Ortsteils, verläuft
vom Pumpwerk Weißer Stein zum Wasserbehälter Totenstein eine
Trinkwasserleitung DN 250. Diese wurde in den fünfziger Jahren mit
Rohren aus Asbestzement errichtet. In der Nähe des Beginnes der
Leitungstrasse, am Pumpwerk Weißer Stein, liegt die romantische Burg
Rabenstein (Bild 1). Die Leitungstrasse verläuft von dort entlang
der „Totensteinstraße“ durch den Rabensteiner Wald. Damit befindet
sie sich in einem Landschaftsschutz- und stark frequentierten
Ausflugsgebiet (Bild 2). Vom Plateau am Totenstein an ist die
Totensteinstraße für den öffentlichen Fahrverkehr gesperrt. Sie wird
jedoch durch Fußgänger und Radfahrer genutzt. Während der
Baumaßnahme musste diese Nutzung uneingeschränkt aufrechterhalten
werden.

Bild 1: (links) Burg Rabenstein;
Bild 2: (rechts) Übersichtsplan mit Leitungstrasse
2 Planung
Eine zunehmende Zahl von Schäden (Rohrbrüchen)
gab den Anlass, über eine Sanierung bzw. Erneuerung der
Asbestzement-Leitung DN 250 nachzudenken. Am Ende der Überlegungen
wurde beschlossen, die Leitung durch ein grabenloses Einbauverfahren
mit Rohren aus duktilem Gusseisen nach DIN EN 545 [1] zu erneuern.
Aufgrund der örtlichen Randbedingungen wurde das
Berstlining-Verfahren nach DVGW-Merkblatt GW 323 [2] gewählt.
Gegenüber dem Verfahren einer trassengleichen Erneuerung im offenen
Rohrgraben zeichnet sich das Berstlining-Verfahren durch deutliche
wirtschaftliche Vorteile aus, weil der Aufwand für den Ausbau der
Asbestzement-Rohre und für die Wiederherstellung der
Straßenoberfläche entfällt.
Bei der Entscheidung zum Rohrmaterial fiel die Wahl auf Rohre aus
duktilem Gusseisen mit der längskraftschlüssigen
TYTON®-BLS-Steckmuffen-Verbindung (Bild 3). Der Außenschutz der
Rohre besteht aus einer Zementmörtel- Umhüllung (ZM-U) nach prEN
15542 [3]. Dieser Außenschutz besitzt eine hohe Festigkeit und ist
mechanisch hoch belastbar. Hinzu kommt die Schutzwirkung der
Zinkauflage unter dem Zementmörtel, welche im unwahrscheinlichen
Fall einer durchgehenden Verletzung das Eisen aktiv schützt. Die
Entscheidung für diesen Rohrwerkstoff fiel vor allem deswegen, weil
er von den üblichen Rohrwerkstoffen zum Bau von Trinkwasserleitungen
die größten Sicherheitsreserven gegenüber den unvorhersehbaren und
nicht kontrollierbaren Belastungen der grabenlosen Einbauverfahren
aufweist. Längsriefen in der Zementmörtel-Umhüllung oder
Punktauflagerungen haben keinen Einfluss auf die Betriebssicherheit
und Nutzungsdauer der Leitung, wie dies bei Rohren aus Kunststoff
der Fall sein kann.

Bild 3: (links) Verbindung
Bild 4: (rechts) Richtungsänderung im offenen Rohrgraben
3 Bauausführung
Die Gesamtlänge der zu erneuernden Leitung
beträgt ca. 1.500 m. Sie wurde in zwei Abschnitte unterteilt. Vor
Baubeginn musste für jeden Abschnitt jeweils eine Notversorgung DN
200 eingerichtet werden. An drei Richtungsänderungen wurden
Baugruben eingerichtet, von welchen zwei als Maschinen- bzw.
Montagegruben genutzt wurden konnten. Insgesamt wurden ca. 100 m in
konventioneller Bauweise bei offenem Rohrgraben eingebaut (Bild 4).
Darüber hinaus wurden zwei Baugruben zum Einbau von zwei Be- und
Entlüftungs-einrichtungen sowie zweier Entleerungen angelegt (Bild
5). Diese Baugruben wurden ebenfalls als Maschinen- bzw.
Montagegruben genutzt. Im Schnitt waren die Maschinen- bzw.
Montagegruben in einen Abstand von ca. 120 m angeordnet (Bild 6).

Bild 5: (links) Abzweig zur Belüftung
Bild 6: (rechts) Absenken eines Rohres in die Montagegrube
Zum Bersten der Asbestzement-Rohre und zum Einziehen der neuen
Leitung wurde eine Anlage Fabrikat Tarcto-Technik mit einer Zugkraft
von 125 kN eingesetzt. Die höchste Zugkraft wurde mit 105 kN
gemessen. Das DVGW-Merkblatt GW 323 lässt für die
längskraftschlüssige TYTON®-BLS-Steckmuffen-Verbindung DN 250 bei
geradlinigem Trassenverlauf in Verbindung mit der
Rohrwanddickenklasse K9 eine maximale Zugkraft von 358 kN zu. Die
Verbindungen wurden mit einer Kombination aus elastischen
Manschetten und Blechkonen geschützt. Die durchschnittliche
Tageseinbauleistung betrug bis ca. 120 m. In den Zwischenbaugruben
wurden die Leitungsenden mittels U-Stücken mit der
längskraftschlüssigen TYTON®-BLS-Verbindung verbunden.
4 Abschließende Bemerkung
Die positiven Erfahrungen mit der geschilderten
Methode haben den Auftraggeber dazu bewogen, im nächsten Jahr einen
weiteren, noch vorhandenen Teil der Asbestzement-Leitung von
nochmals ca. 1.500 m Länge mit dem gleichen Verfahren zu erneuern.
Literaturhinweise
[1] DIN EN 545,
Rohre, Formstücke, Zubehörteile aus duktilem
Gusseisen und ihre Verbindungen für
Wasserleitungen, Anforderungen und Prüfverfahren
[2] DVGW-Merkblatt GW 323,
Grabenlose Erneuerung von Gas- und Wasserversorgungsleitungen
durch Berstlining,
Anforderungen, Gütesicherung und Prüfung
– Merkblatt
[3] prEN 15542,
Rohre, Formstücke und Zubehör aus duktilem
Gusseisen – Zementmörtelumhüllung
– Anforderungen und Prüfverfahren
Autoren
Dipl.-Ing. Karin Klemm
Südsachsen Wasser GmbH
Theresenstraße 13
09111 Chemnitz
Telefon: +49 (0) 371 3806871
Wolfgang Rink
Buderus Giesserei Wetzlar GmbH
Sophienstraße 52–54
35576 Wetzlar
Telefon: +49 (0) 6441 492923
Bauausführung
Kurt Kanal- und Rohrtechnik GmbH
Schulstraße 25
09125 Chemnitz
Telefon: +49 (0) 371 400 45 40